Die Nieren: viel mehr als nur eine Kläranlage

Die Nieren: viel mehr als nur eine „Kläranlage“

Die meisten Menschen kennen die Nieren als „Filter“, die das Blut reinigen und die Abfallstoffe mithilfe des Urins ausscheiden. Das ist in der Tat ihre wichtigste Funktion, denn fallen die Nieren aus, treten in kürzester Zeit lebensbedrohliche Vergiftungserscheinungen auf. Sie leisten aber noch viel mehr: die Nieren regulieren den Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt, haben einen Einfluss auf den Blutdruck und produzieren Hormone z.B. für die Blutbildung.

Nierenschäden zeigen sich erst spät

Leider können die Nieren „schweigend“ zugrunde gehen. Die Symptome entwickeln sich schleichend über viele Jahre, sodass Betroffene sie gar nicht wahrnehmen oder fehldeuten. Anzeichen wie Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, Appetitlosigkeit und Müdigkeit werden daher häufig nicht oder viel zu spät ernst genommen. Spätestens wenn die Hälfte des Nierengewebes irreparabel geschädigt ist, müssen Medikamente und letztlich die Dialyse den Ausfall kompensieren. Dies bedeutet eine lebenslange Abhängigkeit von Geräten – der letzte Ausweg ist dann die Nierentransplantation. Rund 65.000 Patienten in Deutschland müssen mehrmals pro Woche zur Dialyse und warten auf ein Spenderorgan.

Kranke Nieren: hohe Dunkelziffer in allen Lebensaltern

Es ist tragisch, dass sich Nierenerkrankungen gerade im Frühstadium kaum bemerkbar machen. Denn häufig ließe sich der Krankheitsverlauf deutlich verlangsamen oder gar aufhalten, wenn Schäden frühzeitig entdeckt würden. Es empfiehlt sich daher ein routinemäßiger Check-Up beim Hausarzt, auch wenn keine oder nur gering ausgeprägte Symptome auftreten. Das gilt insbesondere, wenn andere Familienmitglieder an Nierenerkrankungen leiden, da viele von ihnen erblich bedingt sind. Doch auch ansonsten gesunde Menschen sollten einmal im Jahr ihre Blutwerte überprüfen lassen – unabhängig von Alter und Lebensstil.

Früherkennung ist ganz einfach

Ein einfacher Urintest kann wertvolle Hinweise auf eine Nierenfunktionsstörung geben. Bei einem auffälligen Ergebnis schließt sich ein Bluttest an, durch den der exakte Gehalt an Kreatinin und Harnstoff festgestellt wird. Je höher diese beiden Werde ausfallen, desto schwächer ist die Filterfunktion der Niere. Für Kreatinin liegt der Normalwert bei 0,8 – 1,2 mg/dl (Milligramm pro Deziliter Blut), für Harnstoff sollte die Konzentration bei 20 und 45 mg/dl liegen. Da die Funktion von Nieren und Herz stark voneinander abhängt, geben diese Tests auch Hinweise auf das individuelle Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

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