Der Ablauf einer Organspende


Es gibt zwei Formen der Organspende: Die Lebendspende und die Spende im Todesfall. Da die Lebendspende nur zwischen engen Angehörigen und Vertrauten möglich ist, stellt sie eine Ausnahme dar. In diesem Info-Text wird daher der Ablauf einer Organspende im Todesfall erläutert.

  1. Die Voraussetzungen
  2. Die Willenserklärung
  3. Feststellung des Hirntods
  4. Medizinische Untersuchung
  5. Suche des geeigneten Empfängers
  6. Entnahme und Transport der Organe
  7. Transplantation
  8. Nachsorge
  9. Prognose
  10. Die Kosten

1. Die Voraussetzungen

Bevor eine Organspende stattfinden kann, muss der sogenannte Gesamthirntod des Spenders zweifelsfrei nachgewiesen werden. Definitionsgemäß schließt dieser jede Wahrnehmung und Steuerungsfähigkeit der Körperfunktionen aus und ist unumkehrbar.
nach oben↑

2. Die Willenserklärung

Im Idealfall hat der Spender einen Organspendeausweis mit sich geführt, der Auskunft darüber gibt, ob die Zustimmung zu einer Organspende vorliegt und ob sich diese auf bestimmte Organe erstreckt oder universal für alle Organe und Gewebe gilt. Liegt den Ärzten kein Spenderausweis vor, wird das Gespräch mit den engsten Angehörigen gesucht, um den mutmaßlichen Willen des Spenders zu ermitteln und eine Entscheidung in seinem Sinne zu treffen. Dieser Fall kann auch bereits bei Krankheiten oder Hirnschäden eintreten, die nicht mit dem Leben vereinbar sind. Niemand muss in Deutschland befürchten, dass eine lebenserhaltende Behandlung abgebrochen wird, um eine Organspende durchführen zu können.
nach oben↑

3. Feststellung des Hirntods

Der Hirntod wird gemäß §16 des Transplantationsgesetztes in einem mehrstufigen Verfahren festgestellt. Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer führen die entsprechenden Untersuchungen zwei erfahrene Ärzte durch, die nicht in den Transplantationsprozess involviert sein dürfen. Es gibt für diesen Prozess klare, gesetzliche Vorgaben, um Fehlentscheidungen auszuschließen. So gehören die in Deutschland vorgeschriebenen Mindestzeiten der Weiterbeobachtung nach dem festgestellten Hirntod zu den längsten weltweit.
nach oben↑

4. Medizinische Untersuchung

Wurde der Hirntod des Spenders zweifelsfrei festgestellt, schließen sich umfangreiche Laboruntersuchungen an. So müssen der Zustand des Organs festgestellt und genau dokumentiert, die Blutgruppe bestimmt und Infektionen ausgeschlossen werden. Über die Ergebnisse wird die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) informiert. Sie dient als Vermittlungsstelle zwischen dem Krankenhaus, in dem der potentielle Spender betreut wird, und den Transplantationszentren.
nach oben↑

5. Suche des geeigneten Empfängers

Die DSO informiert die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant (Niederlande). Hier werden alle Spender- und Empfängerdaten gesammelt und archiviert. Eurotransplant ermittelt anhand der vorliegenden Daten den passenden Organempfänger und informiert das zuständige Transplantationszentrum. Die Vergabe der Spenderorgane erfolgt nach festgelegten Kriterien wie Dringlichkeit, Gewebeüberstimmung und Erfolgsaussicht. Soziale und finanzielle Aspekte spielen für die Organvermittlung keine Rolle. Das zuständige Transplantationszentrum verständigt den Patienten und klärt mit dem Koordinator der DSO alle weiteren medizinischen und organisatorischen Fragen.
nach oben↑

6. Entnahme und Transport der Organe

Da nicht nur das Organ, sondern auch der Empfänger auf die Transplantation vorbereitet werden müssen, werden die Organentnahme und Transplantation zeitlich vom Transplantationszentrum koordiniert. Der würdevolle Umgang mit dem Spender ist bei der Entnahme der Organe oberstes Gebot. Nach der Organentnahme wird der Verstorbene zur Bestattung freigegeben. Die gespendeten Organe werden auf schnellstem Weg in die Transplantationszentren gebracht. Gekühlt und mit Konservierungslösungen gespült können die Organe außerhalb des Körpers eine Weile funktionsfähig gehalten werden. Die Zeitspanne reicht von ca. vier Stunden beim Herzen bis zu etwa vierzig Stunden für die Nieren.
nach oben↑

7. Transplantation

Das entsprechende Transplantationszentrum verständigt den Empfänger, der dieses umgehend aufsuchen muss. Erst während der Operation zeigt sich, ob ein Organ wirklich für den Empfänger geeignet ist. Nach der Operation bleibt der Empfänger noch eine gewisse Zeit im Krankenhaus, um dessen Gesundheitszustand und Befinden zu überwachen.
nach oben↑

8. Nachsorge

Theoretisch dauert die Nachsorge einer Organtransplantation ein Leben lang. Zunächst identifiziert der Körper das neue Organ als Fremdkörper, wodurch eine Abstoßungsreaktion ausgelöst wird. Da dies den Erfolg der Transplantation zunichte machen kann, muss der Empfänger regelmäßig sogenannte Immunsuppressiva einnehmen. Bei gutem Verlauf muss diese Medikation nur noch einmal im Jahr überprüft werden.
nach oben↑

9. Prognose

Organtransplantationen haben in der Regel gute Erfolgsaussichten. So funktionieren 85 % der gespendeten Nieren noch nach einem Jahr, nach fünf Jahren sind es rund 75 %. Ein Spenderorgan kann so gut wie ein eigenes Organ funktionieren. So können Empfänger nach einer Herztransplantation wieder Sport treiben und Nierenpatienten ohne Dialyse leben. Durch die Immunsuppressiva ist die Anfälligkeit für Infektionen zwar gesteigert, doch kann dieses Risiko durch strenge Hygiene und das Vermeiden von engem Kontakt zu kranken Menschen deutlich reduziert werden.
nach oben↑

10. Die Kosten

Alle Kosten von der Organentnahme bis zur Transplantation und Nachsorge werden von den Krankenkassen der Empfänger und anderen Trägern übernommen. Die Kosten der Bestattung des Spenders tragen dessen Angehörige.
nach oben↑